Gottesdienste zuhause in Corona-Zeiten

Herausforderung und Chance 

Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben verändert. Das betrifft auch und sehr stark die Gottesdienste. Viele Großveranstaltungen, zu denen zahlreiche Menschen auf relativ engem Raum zusammenkommen, sind - Stand Mitte April – bis auf weiters nicht möglich. Das betrifft auch feierliche Gottesdienste am Sonntag und an den großen Festen. Die Kirchen sind bemüht, Formen zu finden, die kein Ersatz sein können, aber doch die Möglichkeit bieten, Gottesdienste mitzufeiern – über den Fernseher oder andere Medien. 

Doch auch der bewussten Mitfeier eines Gottesdienstes, den ARD oder ZDF übertragen oder den man mittels Livestream aus der Pfarr- oder Domkirche mitfeiert, gelten liturgische Verhaltensregeln, damit daraus ein wirklicher Gottesdienst wird und nicht bloß eine Sendung, in die man mal so eben reinzappt. 

Es geht vor allem um ein bewusstes Mitfeiern, nicht um ein beiläufiges Gucken etwa während des Frühstücks. So wie man sich bewusst auf den Weg zur Kirche macht und entsprechend anzieht, sollte man nicht im Schlafanzug auf der Couch sitzen, nur weil es bequem ist und es niemand sieht (bei Kranken ist das natürlich etwas anderes).

Auch der Raum, in dem der Gottesdienst mitgefeiert wird, sollte frei sein von dem, was jetzt nicht gebraucht wird und ablenkt. Am Beginn der Feier kann eine Kerze – vielleicht eine Osterkerze – entzündet werden, das Kreuzzeichen wird gemacht, Antworten, Akklamationen und gemeinsame Gebete werden laut mitgesprochen. Vielleicht steht man sogar zu den Gebeten auf. Das Gotteslob – sofern es das noch zuhause gibt – kann wie in der Kirche mitbenutzt, die Lieder können mitgesungen werden. 

Ganz sicher ist das für viele zunächst ungewohnt. Aber auch das ist eine Form gemeinsamen Feierns, die vielleicht sogar mehr als alle anderen persönlich herausfordert. Zu solchen Herausforderungen zählen heute sicher auch häusliche Gebete und Andachten, zu denen man sich im kleinen Kreis versammeln kann, die aber auch im Stillen allein gebetet werden können. Die Häuser bzw. Wohnungen waren die ersten liturgischen Orte, an denen sich Christen versammelt haben. Sie sind heute wieder dazu geworden, auch wenn die Umstände anders sind. Das kann aber letzten Endes sogar bereichern. 

 

Guido Fuchs